Versorgung mit Kalium und Magnesium in Europa
Kalium und Magnesium gehören zu den quantitativ wichtigsten Mineralstoffen im menschlichen Körper und sind als Elektrolyte an zahlreichen physiologischen Prozessen beteiligt. Beide Nährstoffe müssen regelmäßig über die Ernährung aufgenommen werden.
Daten europäischer Behörden wie der EFSA sowie nationale Verzehrsstudien zeigen, dass ein relevanter Teil der Bevölkerung in Europa die empfohlenen Zufuhrmengen nicht erreicht. Im Folgenden werden die empfohlenen Aufnahmemengen, typische Zufuhrbereiche und Risikogruppen mit einer suboptimalen Versorgung zusammengefasst.
Empfohlene Zufuhr und tatsächliche Aufnahme
Die EFSA hat Referenzwerte für die tägliche Zufuhr von Kalium und Magnesium definiert. Nationale Ernährungsberichte weisen darauf hin, dass die durchschnittlichen Aufnahmen häufig unter diesen Referenzwerten liegen.
| Nährstoff | Empfohlene Zufuhr (EFSA) | Durchschnittliche Aufnahme (Europa) | Anteil mit Aufnahmen unterhalb der Referenzwerte | |
|---|---|---|---|---|
| Kalium (K) | 3,5 g pro Tag (Adequate Intake für Erwachsene) | etwa 2,5 bis 3,0 g pro Tag | in vielen Ländern ein hoher Anteil, in einzelnen Erhebungen im Vereinigten Königreich erreichen rund 90 Prozent der Erwachsenen den Referenzwert nicht | |
| Magnesium (Mg) | 350 mg pro Tag (Männer), 300 mg pro Tag (Frauen) | je nach Land und Geschlecht etwa 232 bis 439 mg pro Tag | in mehreren Bevölkerungsgruppen wird der Referenzwert häufig nicht erreicht |
Die genannten Bereiche sind zusammenfassende Größenordnungen aus europäischen und nationalen Surveys, einzelne Länder können davon abweichen.
Kalium: Zufuhr und Versorgungsstatus in Europa
Empfohlene Zufuhr
Die EFSA hat für Erwachsene einen Adequate Intake von 3.500 mg Kalium pro Tag festgelegt. Internationale Organisationen wie die WHO empfehlen ebenfalls eine tägliche Kaliumzufuhr im Bereich von etwa 3.500 mg.
Durchschnittliche Aufnahme
In vielen europäischen Ländern liegt die übliche Kaliumzufuhr unter diesem Referenzwert. Häufig werden etwa 2,5 bis 3,0 g Kalium pro Tag erreicht, was deutlich unter den empfohlenen 3,5 g liegen kann.
Anteil mit Aufnahmen unterhalb der Referenzwerte
Ein erheblicher Anteil der Bevölkerungen in Europa erreicht die empfohlene Zufuhr von 3,5 g Kalium pro Tag nicht. In verschiedenen nationalen Erhebungen liegt der Anteil der Erwachsenen mit einer Aufnahme unterhalb des Referenzwertes zum Teil deutlich über fünfzig Prozent. Frauen schneiden in mehreren Datensätzen im Durchschnitt etwas schlechter ab als Männer.
Diese Angaben beziehen sich auf die Zufuhr im Verhältnis zu Referenzwerten und nicht auf das Auftreten klinisch manifester Mangelzustände.
Obergrenze und Sicherheit
Für gesunde Erwachsene ist von der EFSA kein tolerable upper intake level (UL) für Kalium aus Lebensmitteln festgelegt. Bei bestimmten Personengruppen mit eingeschränkter Nierenfunktion oder der Einnahme bestimmter Medikamente kann jedoch ein erhöhtes Risiko für eine zu hohe Kaliumkonzentration im Blut bestehen. In solchen Fällen ist eine ärztliche Betreuung wichtig und individuelle Ernährungsempfehlung angezeigt.
Risikogruppen
Auf Basis der verfügbaren Verzehrsdaten gelten als potenziell kritisch im Hinblick auf eine ausreichende Kaliumzufuhr:
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Personen mit geringer Obst und Gemüseaufnahme
-
Frauen und insbesondere Teenagerinnen
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ältere Menschen
-
Personen mit chronischen Erkrankungen, insbesondere bei gleichzeitig einseitiger Ernährung
Regionale Unterschiede
Regionen mit traditionell höherem Verzehr von Obst, Gemüse und unverarbeiteten Lebensmitteln, zum Beispiel Teile des Mittelmeerraums, weisen häufig etwas höhere Kaliumaufnahmen auf als Regionen, in denen stärker verarbeitete Lebensmittel dominieren. Die Unterschiede sind jedoch länderspezifisch und hängen stark von nationalen Ernährungsgewohnheiten ab.
Magnesium: Zufuhr und Versorgungsstatus in Europa
Empfohlene Zufuhr
Die EFSA empfiehlt für Erwachsene eine tägliche Magnesiumzufuhr von 350 mg pro Tag für Männer und 300 mg pro Tag für Frauen. Diese Referenzwerte beziehen sich auf die Gesamtzufuhr aus allen Quellen, also aus Lebensmitteln, Getränken und angereicherten Produkten.
Durchschnittliche Aufnahme
In europäischen Ernährungsstudien liegen die üblichen Magnesiumaufnahmen je nach Land, Altersgruppe und Geschlecht in einem Bereich von etwa 232 bis 439 mg pro Tag. In mehreren Populationen wird der empfohlene Referenzwert von einem relevanten Anteil der Befragten nicht erreicht.
Anteil mit Aufnahmen unterhalb der Referenzwerte
Eine suboptimale Magnesiumzufuhr wird bei verschiedenen Bevölkerungsgruppen beobachtet, unter anderem:
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junge Erwachsene
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Frauen, insbesondere im gebärfähigen Alter
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ältere Menschen
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Personen mit chronischen Erkrankungen, bei denen die Ernährung häufig eingeschränkt oder einseitig ist
Auch hier beziehen sich die Angaben auf die Abweichung von Referenzwerten und nicht auf das Vorliegen eines klinisch diagnostizierten Mangels.
Obergrenze und Sicherheit
Für Magnesium aus Lebensmitteln ist kein UL festgelegt, da unerwünschte Effekte bei gesunden Menschen durch die ernährungsbedingte Aufnahme allein als unwahrscheinlich gelten.
Für Magnesium aus Nahrungsergänzungsmitteln hat die EFSA eine tolerierbare obere Aufnahmemenge von 250 mg pro Tag definiert. Dieser Wert bezieht sich auf leicht lösliche Magnesiumverbindungen in Supplements. Höhere Aufnahmen über Nahrungsergänzungsmittel können, insbesondere bei empfindlichen Personen, zum Beispiel vermehrt zu weichem Stuhl oder Durchfall führen.
Risikogruppen
Zu den Gruppen, bei denen die Magnesiumzufuhr vergleichsweise häufig unter den Empfehlungen liegt, gehören:
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Jugendliche
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Frauen im gebärfähigen Alter
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ältere Personen
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Menschen mit chronischen Erkrankungen und eingeschränkter Nahrungsaufnahme
Die individuelle Versorgung hängt jedoch stark von der Qualität der Gesamternährung ab.
Regionale Unterschiede
Regionale Unterschiede ergeben sich vor allem aus dem Konsum von Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und Gemüse. In Ländern mit höherem Verzehr dieser Lebensmittelgruppen ist die Magnesiumzufuhr im Durchschnitt oft besser als in Populationen mit geringem Anteil dieser Lebensmittel.
Rolle der Ernährung für die Kalium und Magnesiumzufuhr
Eine abwechslungsreiche Ernährung mit einem hohen Anteil pflanzlicher, wenig verarbeiteter Lebensmittel leistet einen wesentlichen Beitrag zu einer bedarfsgerechten Zufuhr von Kalium und Magnesium. Wichtige Nahrungsquellen sind unter anderem:
-
für Kalium: Gemüse, Obst, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, einige Nüsse und Samen
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für Magnesium: Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, bestimmte Gemüsesorten und Mineralwässer mit höherem Magnesiumgehalt
Elektrolytgetränke können im Rahmen einer insgesamt ausgewogenen Ernährung einen Beitrag zur Zufuhr von Flüssigkeit und von Elektrolyten leisten, insbesondere wenn durch starkes Schwitzen bei Sport oder Hitze vermehrt Schweißverluste auftreten.
Ob und in welchem Umfang zusätzlich angereicherte Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel jedoch sinnvoll sind, hängt vom individuellen Ernährungsverhalten und vom Gesundheitszustand ab und sollte bei Unsicherheit mit Fachpersonal im Ernährungs oder Gesundheitsbereich besprochen werden.
Hinweise
Die dargestellten Informationen fassen Daten aus europäischen und nationalen Verzehrsstudien sowie wissenschaftlichen Bewertungen zusammen. Sie ersetzen keine individuelle Ernährungsberatung und keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
Ausgewählte Quellen
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EFSA Scientific Opinion on Dietary Reference Values for potassium, 2016
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EFSA Scientific Opinion on Dietary Reference Values for magnesium, 2015
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WHO und weitere internationale Berichte zur Nährstoffzufuhr in Europa
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Nationale Ernährungsberichte, zum Beispiel UK NDNS, Deutschland NVS II
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Systematische Übersichten zur Mikronährstoffversorgung in Europa

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